Publikationen
Messung von Nachhaltigkeit
 
 

"Nachhaltige Entwicklung" ist mittlerweile in der deutschen wie auch europäischen Wirtschaftspolitik ein anerkanntes Leitbild. Nachhaltige Wachstums-, Handels-, Energie-, Struktur-, Finanz- und Rentenpolitik sowie Aspekte der Generationengerechtigkeit finden sich in den Strategiepapieren der Politikressorts und Parteien als Leitbegriffe und werden durch eigens geschaffene Institutionen wie z.B. den Rat für nachhaltige Entwicklung begleitet. Vor diesem Hintergrund gewinnen Messkonzepte und Instrumente an Bedeutung, um die Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen auf zukünftige Generationen zu analysieren. Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik auf unterschiedliche Gesellschaftsbereiche und die natürliche Umwelt integriert zu untersuchen.

Das Schwerpunktheft "Messung von Nachhaltigkeit" diskutiert Konzepte und Methoden der Messung von Nachhaltigkeit aus wirtschaftspolitischer Perspektive. Es befasst sich mit der Evaluierung existierender Messkonzepte und ihren Ergebnissen und stellt neuartige Ansätze zur Messung von Nachhaltigkeit vor.

Mit Beiträgen von:

- Reimund Schwarze und Lydia Illge
- Christoph Böhringer und Andreas Löschel
- Stefan Bayer
- Jürgen Blazejczak und Dietmar Edler
- Thomas Döring, Stefan Heiland und Martin Tischer
- Georg Dybe und Thomas Weith
- Frank Figge und Tobias Hahn
- Jasmin Häcker und Bernd Raffelhüschen
- Karl Schoer
- Sigrid Stagl
- Carsten Stahmer

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Christoph Böhringer und Andreas Löschel
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim

Die Messung nachhaltiger Entwicklung mit 'Hilfe numerischer Gleichgewichtsmodelle


Der Beitrag beschreibt die Einsatzmöglichkeiten von numerischen Gleichgewichtsmodellen als Instrument zur Messung der Auswirkungen von Politikmaßnahmen auf die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung: Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit. Diese Dimensionen sind eng miteinander verbunden und unterliegen häufig Zielkonflikten. Mit Hilfe numerischer Gleichgewichtsmodelle können wichtige Indikatoren nachhaltiger Entwicklung in einem konsistenten Rahmen betrachtet und systematisch mögliche Zielkonflikte quantifiziert werden.

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Stefan Bayer
Universität Tübingen
Abteilung Volkswirtschaftslehre, insb. Finanzwissenschaft und Umweltpolitik

Nachhaltigkeitsfonforme Diskontierung - Das Konzept des "Generation Adjusted Discounting"

Die Diskontierung ist von zentraler Bedeutung bei der Beurteilung der Effizienz staatlicher Vorhaben. Ihre Anwendung ruft aber auch Kritiker auf den Plan, da sie das Einschwenken auf einen nachhaltigen Wachstumspfad verhindere. Sie plädieren deshalb für den Verzicht auf Diskontierung. Dies stehe jedoch im Widerspruch zur zweiten Nachhaltigkeitsbedingung - der Berücksichtigung der Bedürfnisse heute lebender Generationen -, da bei Nichtdiskontierung Opportunitätskosten vernachlässigt würden. Daraus leitet sich die Frage ab, ob es eine nachhaltigkeitskonforme Diskontierung geben kann und wie sie methodisch verfahren sollte. Mit dem Generation Adjusted Discounting (GAD) wird ein solches Verfahren für langfristige, mehrere Generationen betreffende Projekte entwickelt. Es wird gezeigt, dass das GAD eine wesentliche Bedingung für die intertemporale - dem Utilitarismus entstammende - Gleichbehandlung und somit für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen darstellt. Eine Nachhaltigkeitsmessung bei Nutzen-Kosten-Analysen kann dann in Form von Diskontratendifferenzen zwischen (implizitem) GAD und der konventionellen Diskontierung erfolgen.

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Jürgen Blazejczak* and Dietmar Edler**

*) Fachhochschule Merseburg,
**) DIW Berlin

Nachhaltigkeitskriterien aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive - ein interdisziplinärer Ansatz

Der Beitrag stellt ein Verfahren vor, um Elemente einer integrativen Nachhaltigkeitsstrategie zu identifizieren. Das Verfahren ist im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes Arbeit und Ökologie entwickelt worden, stellt aber gleichzeitig ein Modell für einen gesellschaftlichen Diskurs über eine Nachhaltigkeitsstrategie dar. Zentrales Element sind drei Sätze von disziplinären Nachhaltigkeitskriterien aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive. Auf dieser Grundlage werden zunächst Strategiebündel identifiziert, die jeweils einem Satz der disziplinären Nachhaltigkeitskriterien entsprechen. In einem zweiten Schritt werden Strategieelemente identifiziert, die sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer als auch aus sozialer Sicht Nachhaltigkeitserfordernissen entsprechen.

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Thomas Döring* , Stefan Heiland** und Martin Tischer***


*) Philipps-Universität Marburg, Abteilung für Finanzwissenschaft,
**) Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung Dresden und
***)B.A.U.M. Consult GmbH München.

Kommunale Nachhaltigkeitsindikatorensysteme in Deutschland.
Zum aktuellen Stand von Entwicklung und Anwendung


Der Beitrag gibt einen Überblick zum aktuellen Stand von Entwicklung und Anwendung von Nachhaltigkeitsindikatorensystemen auf kommunaler und regionaler Ebene in Deutschland. Zu diesem Zweck wurden 44 Indikatorensysteme anhand einer Reihe von Merkmalen ausgewertet. Für 25 dieser Systeme wurde zudem eine Analyse der verwendeten Indikatoren durchgeführt. Während in grundlegenden Fragen, wie etwa dem zugrunde gelegten Verständnis von Nachhaltigkeit, hohe Übereinstimmung zwischen den Systemen besteht, unterscheiden sich diese in den behandelten Themenbereichen und insbesondere hinsichtlich der ausgewählten Indikatoren. Darüber hinaus wird aufgezeigt, dass der derzeitige Einsatz von Nachhaltigkeitsindikatorensystemen auf der kommunalen Ebene weit hinter dem Anspruch der Systeme und ihren prinzipiellen Möglichkeiten zurückbleibt. Dies betrifft vor allem den interkommunalen Vergleich bei der Messung lokaler Nachhaltigkeit sowie die Verwendung lokaler Daten im Rahmen nationaler Systeme der Nachhaltigkeitsmessung. Dies gilt aber auch für die nur teilweise Erfüllung der intendierten politischen Zielsetzungen, wobei vor allem die erhoffte politische Steuerungsfunktion fast vollständig unerfüllt bleibt. Die hierfür verantwortlichen Ursachen werden diskutiert und Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung von Indikatorensystemen skizziert.

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Georg Dybe und Thomas Weith
Universität Potsdam

Anspruch und Wirklichkeit von ökonomischen Nachhaltigkeitsindikatoren.
Das Fallbeispiel Berlin

Seit Mitte der Neunziger Jahre werden in vielen Kommunen und Regionen Europas im Rahmen der Lokalen Agenda Nachhaltigkeitsindikatoren erarbeitet. Bislang bestehen jedoch zwischen dem politischen Anspruch kommunaler Ziel- und Bewertungssysteme und den realen gesellschaftlichen Entwicklungen offensichtlich erhebliche Differenzen. Konkret zeigt sich dies am Fallbeispiel Berlin. Ausgehend von der Gegenüberstellung der realen Entwicklungen mit einem theoretisch diskutierten Anforderungsprofil und den im Entwurf zur Lokalen Agenda spezifizierten wirtschaftspolitischen Zielen und Indikatoren werden Ursachen für die Zielverfehlungen beschrieben und mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt.

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Frank Figge* und Tobias Hahn**

*) School of the Environment, University of Leeds,
**) Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) Berlin

Sustainable Value Added - Ein neues Maß des Nachhaltigkeitsbeitrags von Unternehmen am Beispiel der Henkel KGaA


Dieser Artikel stellt den Sustainable Value Added, einen neuen Ansatz zur Bewertung des Nachhaltigkeitsbeitrags von Unternehmen, vor. Bestehende Verfahren zur Messung der Nachhaltigkeit basieren auf einer vergleichenden Bewertung ökologischer und sozialer Belastungen und können daher als belastungsorientierte Verfahren aufgefasst werden. Unter Praxisbedingungen stoßen diese Verfahren an Grenzen, da eine vergleichende Bewertung aller ökologischen und sozialen Belastungen nicht gelingt. Im Gegensatz zu diesen belastungsorientierten Verfahren ist der Sustainable Value Added wertorientiert. Er ermittelt, wie viel Wert durch einen zusätzlichen oder verringerten Einsatz ökologischer und sozialer Ressourcen geschaffen wird. Die Bewertung des Ressourceneinsatzes in Unternehmen erfolgt dabei anhand der Opportunitätskosten ökologischer und sozialer Ressourcen. Der Sustainable Value Added ermöglicht eine integrierte Bewertung und zeigt den Nachhaltigkeitsbeitrag eines Unternehmens in einer einzigen monetären Kennzahl an. Der Artikel leitet den Sustainable Value Added theoretisch her, stellt ihn den bestehenden Ansätzen zur Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen gegenüber und demonstriert seine Berechnung am Beispiel der Henkel KGaA.

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Jasmin Häcker* und Bernd Raffelhüschen**

*) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Finanzwissenschaft und
**) Universität Bergen, Norwegen

Denn sie wussten was sie taten: Zur Reform der Sozialen Pflegeversicherung

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Karl Schoer
Leiter der Gruppe "Umweltökonomische Gesamtrechnungen" im Statistischen Bundesamt

Die Nutzung von Gesamtrechnungsdaten für eine
integrierte Nachhaltigkeitsberichterstattung

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Sigrid Stagl
School of the Environment, University of Leeds

Valuation for Sustainable Development -
The Role of Multicriteria Evaluation


Multikriterienmethoden erwiesen sich als nützlich um Entscheidungsfindung in komplexen Situationen - wie solche nachhaltige Entwicklung betreffend - zu unterstützen und um mit Konflikten in einer strukturierten und transparenten Art umzugehen. Zunehmend wird multikriterielle Bewertung auch als konstruktive Antwort auf die Kritik der Kosten-Nutzen-Analyse gesehen. Die multikriterielle Bewertung ermöglicht es EntscheidungsträgerInnen die verschiedenen Dimensionen der Auswirkungen der zur Auswahl stehenden Projekte zu berücksichtigen ohne diese gänzliche monetarisieren zu müssen. Eine Vielzahl von grundlegend verschiedenen mathematischen Algorithmen für die multikriterielle Bewertung steht zur Verfügung. Außer dem Algorithmus beeinflusst auch die Implementierung der Bewertungsmethode das Ergebnis. Um Probleme wie Unsicherheit, unterschiedliche legitime Problemsichtweisen und die Notwendigkeit von Lernen während des Entscheidungsprozesses zu adressieren, setzen ökologische ÖkonomInnen multikriterielle Bewertung vor allem in Kombination mit partizipativen Methoden ein.

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Carsten Stahmer
Statistisches Bundesamt, Wiesbaden

Aufbau eines sozio-ökonomischen Berichtssystems für eine nachhaltige Gesellschaft

Seit dem Sommer 2001 arbeitet im Statistischen Bundesamt eine Projektgruppe am Aufbau eines sozio-ökonomischen Berichtssystems. Das geplante Berichtssystem soll in sozio-ökonomischen Gesamtrechnungen die bisherige Entwicklung der Gesellschaft beschreiben, im Rahmen von sozio-ökonomischen Modellrechnungen Szenarien für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung aufzeigen und mit Nachhaltigkeitsindikatoren die Unterschiede zwischen der gegenwärtigen Lage und einer modellmäßig entwickelten zukunftsfähigeren Konstellation beschreiben. Der vorliegende Beitrag erläutert den Darstellungsgegenstand der geplanten Berichterstattung und gibt einen Überblick über die verschiedenen Teilbereiche des Berichtssystems. Er diskutiert mögliche Zielvorgaben der sozialen Nachhaltigkeit und beschreibt bestehende bzw. zukünftige Kooperationsformen für die praktische Umsetzung des Berichtssystems.

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